bravo_charly_rot_1145Wassegefüllte Zinkwannenmatrix | Neonobjekt »Bravo Charlie«


boje_bg_1199»Origo – oder das Daseinsrund« | Kugelfender, Rettungsringe, Tauwerk


bravo_charly_gesamt_bg_1180»2`45 – Charlie´s Gedächtnisspur« | 55teiliges Bildtableau als Raumzeitpartitur


bravo_charly_reg_karten_bg_0100Rauminstallation »Dichtungsregister« (Ausschnitt) | 317 Registerkarten, kartografische Koordinaten der Ruhr-Region | Fotografien, Pergamintüten, Foldbackklammern, namenlose Seekartenausschnitte


register_still_bg_1087»Archivschaukel« | Dichtungsregisterbox, Bookram, Goldprägung, Hanfseile, Gummimatte


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Mapping the Region: liquid area

Ausstellungsreihe zum Kulturhauptstadt-Jahr Ruhr.2010 der Stadt Herne

Teil II: Wasserwege, 13.03. – 24.04.2010

Dr. Andreas Steffens
Einführung zur Eröffnung am 13.03.2010, Städtische Galerie: Rainer Gottemeier, Dirk Schlichting


Eine Katastrophe von unvorstellbar großer Gewalttätigkeit ist der Ausgangspunkt für Rainer Gottemeier. Das Generalthema unserer Ausstellungsserie, mapping the region, beim Wort nehmend, versieht seine Arbeit das Ruhrgebiet mit einem Geflecht von Karten, die einer Wissenschaft entstammen, die es nicht geben kann, weil nicht existiert, wovon sie handelt: es sind nautisch-geografische Dokumente einer Zukunft, die es (noch) nicht gibt, aber geben könnte, falls die Prognosen der zuständigen Wissenschaften stimmen und die Ereignisse, die sie nahe legen, eintreten sollten. Wer heute nicht älter als fünfzig Jahre ist, hat die Chance, es zu erleben - : setzt die Erderwärmung mit den abgeschätzten Folgen sich so ungebremst fort, wie es zu befürchten steht, wird diese Region innerhalb einer Lebenszeit zu einem Archipel von Inseln des Übriggebliebenseins geworden sein, erreichbar nur noch auf Wasserwegen. Die Karten sind so präzise berechnet, dass jeder seinen heutigen geografischen Ort identifizieren und feststellen kann, ob dieser noch aus dem Wasser ragen oder von den siebzig Metern, um die der Meeresspiegel gestiegen sein wird, überflutet sein wird.

Auch hier fehlt jede Anmutung des Katastrophischen. Eher eine ‚Fröhliche Wissenschaft’ scheint Gottemeier zu betreiben. Und seine Archivbox, die die komplette Sammlung der neuen Seekarten der Region enthält, ist von strenger Festlichkeit.

Die Heiterkeit vergeht jedoch, sobald man verstanden hat, welch abgrundtiefe zynische Verantwortungslosigkeit, Dummheit und Gleichgültigkeit hinter dem Anlass dieser plastischen Überlegung stehen.

Die Figur des automatischen Grußes, mit der sie am Eingang des Hamburger Hafens jedes ankommende Schiff empfängt, hat Gottemeier um die Geste des Schauens erweitert: in eine Zukunft, die so offen und ungewiss wie jede ist, sich aber mit jedem Tag, der tatenlos vergeht, der Verwirklichung jener Katastrophe verhängnisvoller nähert. Dann wird es gar nicht genug Positionsbojen und Rettungsringe geben können, die er in dem Raumobjekt „Origo oder das Daseinsrund“ zu einer Skulptur der Hilflosigkeit verbunden hat. Als Symbole der Perfektion deuten Kreis und Kugel beängstigend an, dass es keinen Ausweg geben könnte, und das Verhängnis, das wir wissen, ungehindert vollziehen könnte, wie das ‚Schicksal’, das die Griechen in der ersten Kunstform der Tragödie beschworen: gegen den Untergang handelnd, führen wir ihn herbei, zur Belustigung der Götter, die uns mit Blindheit schlagen. Nur, dass diese Götter die Götzen sind, auf deren Anbetung wir uns selbst mit unserer Zivilisation verpflichtet haben.

Dass niemand ausgenommen ist, kann jeder bemerken, der an der Installation entlang geht, in der sich der Sehend-Grüßende in seinem Leuchtkasten ebenso in der auf dem Boden in Zinkbehältern ausgebreiteten Wasserfläche spiegelt wie er selber. Wir, die wir als Kinder unserer Zivilisation kaum noch hören und sehen wollen, werden gesehen und gegrüßt, auf dem Weg in die Region, in der uns nur noch Bojen und Rettungsringe beistehen könnten.

Aber noch muss es nicht heißen: Land unter! Und, wer weiß, vielleicht wird das altbewährte: Glück auf! auch weiter helfen.




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Neonskulptur | Installation | 2,5 x 2,5 m | Hamburg, Elbchaussee | 2009

 

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Lichtskulptur »Bravo Charlie – oder ein anonymer Seemannsgruß«

 

Im schleswig-holsteinischen Wedel an der Elbe gibt es das berühmte Willkommenhöft. Dort werden ein- und auslaufende Schiffe zum und vom Hamburger Hafen begrüßt und verabschiedet.


Seit Oktober diesen Jahres gibt es auch in Hamburg nunmehr eine „Begrüßungsanlage“: Ein Lichtkunstwerk, auf dem Dach eines privaten Mehrfamilienhauses an der Elbchaussee. Der in Potsdam lebende Künstler Rainer Gottemeier hat die Neonskulptur entwickelt und ihr den Titel „Bravo Charlie“ gegeben.

„Bravo Charlie“ zeigt mit der weißen Neonzeichnung die Umrisse eines frontalen Matrosenportraits, stilisiert mit Seemannskragen und Schiffermütze. In zwei farbig wechselnden Aktionen konnotiert Gottemeier den Akt des in die Ferne Blickens, durch die Geste der flachen Hand über den Augen, um das Sonnenlicht abzuhalten und der Geste des seemännischen, militärischen und respektvollen Grüßens, in der die flache Hand an die Schirmmütze geführt wird. Beide Gesten sind zwar zeichenhaft reduziert, artikulieren aber eindeutig die Intension durch die sich wechselnd bewegenden Handhaltungen.

Wird die Geste des Schauens in die Ferne mit blauem Neonlicht dargestellt, so ist die Farbigkeit der grüßenden Hand in rot gehalten. Ein Zufallsgenerator regelt die unterschiedlich langen Wechselintervalle zwischen Gruß und Schauen. Die Lichtskulptur wirkt in ihrer Klarheit und Einfachheit einerseits symbolhaft und gleichzeitig aber auch wie eine Karikatur. Sie ist Willkommensgruß und sie ist Frage: „Wer kommt denn da“, sie trägt eine fast kindliche Ironie in sich und formuliert etwas Spielerisches. Sie ist sofort verständlich, weil sie sich Gesten bedient, deren Übereinkunft weltweit zu finden sind: Sie werden somit zum Super-Zeichen der Kommunikation.

Rainer Gottemeier schreibt zu seinem Werk: „Bravo Charlie“ (aus der seemännischen Buchstabiertafel für Rufzeichen) verkörpert den entwaffnenden Geist der Philosophie der Kommunikation im Sinne des Reisens, des Austausches, des Wechselns auf die Position des Anderen. Die permanente Wandlung ozeanischer Räume klingt im zufallsbedingten Wechsel der visualisierten  Gesten an. Die elementare Symbolik generiert die Metapher einer Geste des friedlichen Zusammenlebens. Mit Blick auf das ökologische Gleichgewicht der Meere kann die Lichtskulptur als „Versöhnungszeichen“ zwischen Mensch und Natur gelesen werden.

Gottemeier steht mit seiner Arbeit in der formalen Tradition der Lichtkunstwerke von Mauricio Nannucci, Joseph Kosuth, Francois Morellet, Jan van Munster und Mario Merz. Er nutzt sowohl textliche Neonschriftzüge wie auch zeichenhafte und schematische Formen und bezieht sich somit auf geistig-inhaltlich aufgeladene Räume als auch auf architektonische und naturhafte Gegebenheiten eines Ortes. Diese Verbindungen schaffen neue Bezüge und definieren den jeweiligen öffentlichen Raum immer mit einem Mehrwert. Wie ein kartographisches Netzwerk verbindet sich das jeweilige Werk mit dem umliegenden Raum und bezieht im Fall von „Bravo Charlie“ auch mobile Strukturen mit ein.


Claus Friede

KULTUR PORT.DE, www.kultur-port.de





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Simulation | Kugelfender, Signallichtlampen, Neonstabbojen, Leuchtglasobjekte | Portikusteich (Detailansicht)


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Portikus mit simultiertem Neonschriftzug nach Wilhelm Raabe


Braunschweiger Gipfel                                             
3. Lichtparcours – Braunschweig 2010

»Sieh nach den Sternen, gib acht auf die Gassen!«
Wilhelm Raabe


Die Lichtinstallation – Braunschweiger Gipfel – visualisiert ein kartographisches Netzwerk im Wasserspiegel des Portikusteich. Eine Vielzahl weißer Kugelfender und blitzender Signallichter markieren die Konstellation der Straßenkreuzungen und Wegegabelungen. Pulsierende Neonstabbojen bezeichnen die topografische Lage der Okerumflutbrücken. Als vertikale Lichtlinien kommunizieren sie die Metapher – sensible Messfühler – auf schwankendem Grund. Die lichtblauen Leuchtstäbe symbolisieren zugleich ihre Brückenfunktion zwischen dem dunklen Gewässer und der nächtlichen Tiefe. Seerosentellerähnliche Leuchttonnen verkörpern die Lage der besonderen Architekturen im innerstädtischen Raumgefüge, vermitteln einen Schwebezustand zwischen Wasserlinie und Himmel. Die Positionen der Kirchenbauten sind mit leuchtenden Quadratkreuzen gekennzeichnet, die waagerecht auf der Wasseroberfläche schwojen. Das sternenhaufenähnliche Beziehungsgeflecht realisiert das raumzeitliche Modell eines globalen Himmels. Auf der Basis lokaler Topografie erweist sich die Gruppierung der verankerten Schnittpunkte als Identitätskarte.

Die atmosphärisch gestimmten Räume korrespondieren mit dem oben genannten Leitsatz des Dichters und Ehrenbürgers der Stadt – Wilhelm Raabe -, verstehen sich als Reminiszenz und zustimmendes Andenken.
Auf den Stufen des antikisierenden Portikus wird der Schriftzug als schmale Neonkontur installiert. Für den Passant ist der Leitsatz Anweisung und Wink zugleich. Vom nördlichen Teichufer aus betrachtet verschmilzt der Satz zu einer horizontalen Lichtachse. Bei Annäherung des Betrachters verwandelt sich die Linie in einen kongenialen Kommentar des im Wasserspiegel aufscheinenden Ereignisses.
Im Kontext der temporären Installation werden die topografischen Punkte als – Gipfel – und die Strecken zwischen den Punkten als – Wege – bezeichnet. Jeder Gipfel repräsentiert den Ort einer Kreuzung. Der Weg zwischen zwei Gipfeln steht für eine Verbindung oder Beziehung. Kommunikation und Orientierung sind die Leitgedanken zur Installation im Sinne des Hermes, dem Gott der Wege und Kreuzungen, der Botschaften und der Händler. Der Installationstitel – Braunschweiger Gipfel – ist als Irritation, verschmitzte Finte und poetische Aufmerksamkeitsverschiebung zu lesen.

Die den Braunschweiger Innenstadtbereich dominierenden Glockenklänge der neun Kirchenbauten sind Basis für die Komposition eines Klangnetzes von Karlheinz Essl zur aquatischen Lichtinstallation im Bürgerpark.


Ausstellung der Entwürfe im Kunstverein Braunschweig »Salve Hospes«
Zeitraum: 20. bis 29. März 2009




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Blick vom Nordring zum Bergbaumuseum



bochumstep-detail.jpgLichtinstallation Bochumstep | Detail | 2006
Technische Umsetzung | Simulation: Christopher Kühn

KunstLichtTore | Bochum | Tor 9 | Wielandstraße
BOCHUMSTEP

Der Brückenraum markiert einen Schnittpunkt im innerstädtischen Raum, an dem sich drei Geschwindigkeiten kreuzen: Bahn – Auto – Mensch. Die Lichtinstallation thematisiert die Geschwindigkeit des Gehens. Der Geist des Ortes ist eng verknüpft mit der Tradition des Bergbaus. – BOCHUMSTEP – visualisiert eine atmosphärisch gestimmte Durchgangssituation, einen Ort der Kommunikation und des Gesellschaftsspiels. Eingedenk der verstorbenen Bergleute dient er als Andachtsraum, aber auch als »Tanzplatz«. »Musik und Tanz sind eigentliche Freuden des Bergmanns; sie sind wie ein fröhliches Gebet« *¹ Die Bezifferung der Brücke 9 wird auf mehreren Assoziationsebenen visualisiert. Für den handelnden »Grenzgänger« wird sie körperlich erfahrbar: Im Fußgängerbereich des Brückendurchgangs werden zwei lichthaltige Pfade über den Köpfen der Passanten installiert. Kern ist das Sichtbarmachen von Zeit, der eigenen Spur, des eigenen Rhythmus, der eigenen räumlichen Ausdehnung. Die Lichtinstallation – BOCHUMSTEP – versteht sich als Handlungsgeographie, als ein Vorschlag, den Brückentransit Neu(n) zu erfahren, zu be(sohlen), tänzelnd zu erleben.

*¹ aus: »Heinrich von Ofterdingen«, Novalis
   
                                             
trafo_bochum
Trafostation | Nordring | Visuelle Poesie nach Novalis

  

 

 

 

stralsund_1   PoesieCanal | Ozeaneum | Stralsund | Juli 2008

 

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Altstadt Stralsund | Lichtinstallation | PoesieCanal | pulsierende Neonstab-Bojen, Kugelfender, Signallichtlampen

 

Ort: Stralsund/Am Semlower Kanal
Zeitraum: 11. bis 15. Juli 2008
Projekt: PoesieCanal oder das unbeschreibliche Lächeln des Meeres
Die Lichtinstallation – PoesieCanal – basiert auf der Idee, anlässlich der Eröffnung des Ozeaneums atmosphärisch gestimmte Räume auf schwankendem Grund zu verankern.

Die temporäre Installation visualisiert unmittelbar die poetische Metapher der »umspülten Steine«, die den fließenden Formen der vier Baukörper zu Grunde liegt.

Eine Vielzahl weißer Kugelfender, hellblau pulsierender Neonstabbojen, blitzender Signallichter und seerosentellerähnliche Leuchtglasobjekte markieren archipelartige Strukturen eines Beziehungsgeflechts im angrenzenden Kanalabschnitt.
Die geschwungenen Rundgänge und mäandernden Wege im Ozeaneum, vorbei an den Exponaten, Vitrinen, Lichtprojektionen und Aquarien sind Grundlage für die Verteilung der inselartigen Punktstrukturen im PoesieCanal. Maritime Lichtinseln abstrahieren die punktuellen Passagen einzelner Themenbereiche, projizieren den Kosmos – Ozeaneum – auf die Ebene des Wasserspiegels.

So wird die »einstige« Schiffspassage »Am Semlower Kanal« durch atmosphärische Irritation neu hervorgebracht im Sinn der antiken Metapher, die vom unbeschreiblichen Lächeln des Meeres sprach, wenn etwas wieder gesehen oder mit neuen Augen betrachtet wurde.

 

 

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nordskulptur : licht
Neues Rathaus/Neumünster
Dauerinstallation: »rinne – da – zwischen«

Die Lichtinstallation »rinne – da – zwischen« basiert auf der Idee, die räumliche Konstellation des Rathausensembles zu thematisieren. Der neue Verwaltungsbau zwischen Nord- und Südflügel birgt zudem ein verborgenes Detail, das aufgrund seiner Unsichtbarkeit eine poetische Thematisierung herausfordert.
Die Neon-»Zeichnung« einer horizontal installierten Regenrinne zwischen Giebelschräge und senkrechter Hausfassade markiert die räumliche Ausdehnung des Zwischenraums, der durch die Architektur definiert wird. Unterhalb der Rundbogengaube sind in vertikaler Leserichtung leuchtende Textfragmente installiert. Neonschriften kommentieren die geografische Ortung der poetisch gestimmten Atmosphäre, verwandeln den Raum in eine »Sphäre des Zwischen«.


nordskulptur: licht
mit Werken von 25 nationalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern
Eröffnung: 1.11.2007 – 18.11.2007

Ort: Neumünster: Sagerhallen, öffentlicher Stadtraum
Details zum Projekt und weitere Informationen
nordskulptur@kunstverein-neumuenster.de
Konzept und Ausstellungskuration: Claus Friede
Claus Friede*Contemporary Art
office@cfca.de