
Sterne in Reichweite | Haussee | Petzow/Werder | 2001
»…Es ist typisch für den Künstler, dass er immer auch regionale Aspekte
in seine Werke integriert, ja dass er sich in vielen anderen Projekten
mit Themen der Region als Standorten seiner Kunst auseinandergesetzt
hat. Standort und Perspektive sind Schlüsselbegriffe in der
künstlerischen Arbeit von Rainer Gottemeier. Was den bisherigen
Sternenfeld-Projekten gemeinsam ist, könnte die Relativierung der
Perspektive sein, die der Betrachter von unterschiedlichen Standorten
aus erfährt. Was aus der Nähe als unübersehbare Kumulation von
Farbwerten erscheint, wirkt aus der Ferne als harmonische Ordnung.
Diese Relativierung des Sehens ist eine wichtige Erkenntnis in heutiger
Zeit. Es gibt keine alleingültige Zentralperspektive mehr. Nicht für
die Kunst, nicht für die Geschichte, nicht für die Politik…
…Die
»Sterne in Reichweite« zu holen, wie es uns der Künstler heute
symbolisch vor Augen führt, kann das Paradies auf Erden bedeuten, die
realistische Utopie im Sinne eines allerfüllenden Alles, wie der
Philosoph Ernst Bloch es nannte. Aber wenn die Sterne vom Himmel
gestürzt sind und der Himmel leer ist, kann das auch die Apokalypse
bedeuten, die vernichtende Antiutopie des großen Nichts. Die Menschheit
hat die Wahl. Dazu braucht sie Zeit. Bedenkzeit. Und Raum. Und
Besonnenheit. Und Kunst. Die Kunst als Denkraum der Besonnenheit (Aby
Warburg) – dies könnte die zur Zeit aktuellste Botschaft der »Sterne in
Reichweite« sein.«
Barbara Straka aus Eröffnungsrede »Sterne in Reichweite« im September 2001